Solarthermie oder Photovoltaik? Für die meisten Einfamilienhäuser ist heute Photovoltaik die flexiblere Wahl: Solarstrom versorgt Haushalt, Elektroauto und Wärmepumpe und kann über eine Wärmepumpe oder einen Heizstab auch Warmwasser erzeugen. Solarthermie wandelt Sonnenlicht pro Quadratmeter effizienter in Wärme um und kann sinnvoll sein, wenn eine Gas- oder Ölheizung noch einige Jahre läuft und Sie deren Verbrauch für Warmwasser im Sommer senken möchten. Wer auf eine Wärmepumpe umsteigt oder umsteigen will, fährt mit PV in der Regel besser.
In diesem Ratgeber vergleichen wir beide Techniken nach Nutzen, Kosten, Platzbedarf und Zukunftsfähigkeit. Die Kosten sind grobe Richtwerte aus dem Markt. Ob eine Lösung für Ihr Haus passt, hängt von Heizung, Warmwasserbedarf, Dachfläche und Ihren Plänen ab.
Der Unterschied in einem Satz
Photovoltaik erzeugt Strom, Solarthermie erzeugt Wärme. Solarthermie-Kollektoren erwärmen eine Flüssigkeit, die ihre Wärme über einen Wärmetauscher an einen Warmwasser- oder Pufferspeicher abgibt. PV-Module erzeugen Gleichstrom, den ein Wechselrichter für das Hausnetz umwandelt. Strom lässt sich vielseitig nutzen, Wärme nur dort, wo sie gebraucht und gespeichert werden kann.
| Kriterium | Solarthermie | Photovoltaik |
|---|---|---|
| Erzeugt | Wärme für Warmwasser und Heizung | Strom für alle Verbraucher im Haus |
| Wirkungsgrad pro m² | höher, aber nur für Wärme nutzbar | geringer, Energie aber vielseitig nutzbar |
| Überschuss im Sommer | Speicher voll, Kollektoren gehen in Stillstand | Einspeisung ins Netz oder Speicher |
| Passt zu | bestehender Gas-, Öl- oder Pelletheizung | Wärmepumpe, E-Auto, Haushaltsstrom |
| Platz im Haus | Solarspeicher bzw. Pufferspeicher nötig | Wechselrichter, optional Batteriespeicher |
| Wartung | Solarflüssigkeit, Pumpe, Druck regelmäßig prüfen | wenig, Wechselrichter hält kürzer als Module |
| Ansprechpartner | Heizungsbauer | Elektrobetrieb |
Solarthermie für Warmwasser
Eine kleine Solarthermie-Anlage nur für Warmwasser deckt in einem Einfamilienhaus grob die Hälfte bis knapp zwei Drittel des jährlichen Warmwasserbedarfs. Im Sommer reicht die Sonne oft vollständig, die Heizung kann dann in der warmen Jahreszeit für Warmwasser weitgehend aus bleiben. Im Winter liefert die Anlage nur einen kleinen Beitrag. Für eine Familie werden häufig etwa 4 bis 6 Quadratmeter Kollektorfläche und ein Speicher mit 300 bis 400 Litern eingeplant.
Die Kosten liegen als grober Richtwert oft im Bereich von 4.000 bis 8.000 Euro, abhängig von Kollektortyp, Speicher, Leitungsweg und dem Umbau der bestehenden Heizungsanlage. Solarthermie kann über die Bundesförderung für effiziente Gebäude bezuschusst werden. Die aktuellen Bedingungen prüfen Sie bei KfW und BAFA.
Solarthermie mit Heizungsunterstützung
Größere Anlagen mit etwa 10 bis 15 Quadratmetern Kollektorfläche und einem Pufferspeicher unterstützen zusätzlich die Heizung. Sie sparen vor allem in Frühjahr und Herbst Brennstoff, im Hochwinter ist ihr Beitrag gering. Wie groß die Einsparung ist, hängt stark von Dämmung, Heizflächen und Vorlauftemperatur ab. Gut gedämmte Häuser mit Fußbodenheizung profitieren mehr als unsanierte Altbauten mit hohen Vorlauftemperaturen. Die Kosten liegen grob bei 8.000 bis 15.000 Euro, mit Pufferspeicher und Umbau im Heizungsraum auch darüber.
Photovoltaik und Wärmepumpe: das gängige Paar
Eine Wärmepumpe erzeugt aus einer Kilowattstunde Strom je nach Gerät, Gebäude und Vorlauftemperatur ein Mehrfaches an Wärme. Gute Anlagen in passenden Gebäuden erreichen über das Jahr häufig das Drei- bis Vierfache. Jede Kilowattstunde Solarstrom, die in die Wärmepumpe fließt, wird damit zu mehreren Kilowattstunden Wärme. Genau hier liegt der Vorteil gegenüber Solarthermie: Die PV-Anlage liefert Strom für die Wärmepumpe, aber auch für Haushalt und Auto, wenn keine Wärme gebraucht wird.
- Warmwasser im Sommer: Die Wärmepumpe bereitet Warmwasser bevorzugt mittags mit Solarstrom. Das ersetzt die Rolle einer Warmwasser-Solarthermie weitgehend.
- Übergangszeit: In Frühjahr und Herbst deckt PV einen spürbaren Teil des Wärmepumpenstroms, vor allem tagsüber.
- Hochwinter: Die PV-Anlage liefert wenig, die Wärmepumpe bezieht dann überwiegend Netzstrom. Das gilt für Solarthermie genauso.
- Steuerung: Ein Energiemanagement kann die Wärmepumpe bei Überschuss gezielt einschalten und den Warmwasserspeicher etwas höher aufheizen.
Wärmepumpen über 4,2 kW gelten seit 2024 nach § 14a EnWG als steuerbare Verbrauchseinrichtungen. Der Netzbetreiber darf sie in Ausnahmefällen dimmen, im Gegenzug sinken die Netzentgelte. Für den Anschluss braucht es einen Zählerschrank, der den aktuellen Anforderungen entspricht. Bei älteren Häusern ist das oft der Punkt, an dem ohnehin elektrische Arbeiten anstehen.
Sie planen eine Wärmepumpe und überlegen, wie die PV-Anlage dazu passt? Wir prüfen Dach, Zählerschrank und Anschlussmöglichkeiten und beraten Sie zur sinnvollen Anlagengröße. Termin anfragen
Solarthermie oder Photovoltaik: Kosten im Vergleich
Ein direkter Preisvergleich ist schwierig, weil beide Anlagen unterschiedliche Dinge leisten. Die folgende Übersicht ordnet typische Varianten grob ein. Alle Werte sind Richtwerte aus dem Markt und ersetzen kein Angebot.
| Variante | Richtwert Kosten | Hauptnutzen |
|---|---|---|
| Solarthermie nur Warmwasser | ca. 4.000 bis 8.000 Euro | Warmwasser im Sommer, weniger Brennstoff |
| Solarthermie mit Heizungsunterstützung | ca. 8.000 bis 15.000 Euro | zusätzlich weniger Heizenergie in der Übergangszeit |
| PV-Anlage 8 bis 10 kWp ohne Speicher | ca. 12.000 bis 20.000 Euro | Strom für Haushalt, Wärmepumpe, E-Auto, Einspeisung |
| Batteriespeicher zusätzlich | ca. 500 bis 1.000 Euro pro kWh | Solarstrom am Abend nutzen |
| PV-Heizstab oder Warmwasser-Wärmepumpe | je nach Lösung einige hundert bis einige tausend Euro | Überschussstrom in Warmwasser umwandeln |
Die Preise hängen ab von Dach, Leitungswegen, Speichergrößen, dem Zustand der Heizung und dem Zählerschrank. Für Photovoltaik auf Wohngebäuden gilt bis 30 kWp der Nullsteuersatz, das betrifft auch den Speicher. Ausführlicher gehen wir im Ratgeber Photovoltaik Kosten Einfamilienhaus darauf ein.
Beides kombinieren: Wann das sinnvoll ist
Auf großen Dächern ist eine Kombination möglich. Häufig konkurrieren beide Anlagen aber um die beste Südfläche. Da PV-Module günstiger geworden sind und Solarstrom flexibler einsetzbar ist, entscheiden sich viele Eigentümer heute für eine möglichst große PV-Anlage und erzeugen Warmwasser über Wärmepumpe oder Heizstab. Eine Kombination ist eher dann interessant, wenn eine funktionierende Gas- oder Pelletheizung noch lange bleiben soll und das Dach genug Fläche für beides bietet.
Und die PV-Pflicht?
Wer in Baden-Württemberg neu baut oder das Dach grundlegend saniert, muss in der Regel mindestens 60 % der geeigneten Dachfläche für Solarenergie nutzen. Solarthermie kann darauf angerechnet werden. Details lesen Sie im Ratgeber PV-Pflicht Baden-Württemberg.
Entscheidungshilfe für Ihr Haus
- 01Wie heizen Sie heute, und wie lange soll diese Heizung noch laufen? Steht ein Wechsel zur Wärmepumpe an, spricht viel für PV.
- 02Wie groß ist die geeignete Dachfläche? Bei wenig Fläche bringt eine PV-Anlage meist den größeren Gesamtnutzen.
- 03Wie hoch ist Ihr Stromverbrauch, und kommen Elektroauto oder Wärmepumpe dazu? Je mehr Strom, desto stärker lohnt sich PV.
- 04Ist im Heizungsraum Platz für einen Solar- oder Pufferspeicher? Ohne Platz scheidet größere Solarthermie oft aus.
- 05Wie alt ist Ihr Zählerschrank? Für PV und Wärmepumpe muss er den TAB des Netzbetreibers entsprechen.
Für neue Heizungen macht das Gebäudeenergiegesetz Vorgaben zum Anteil erneuerbarer Energien. Wann und wie diese für Ihr Haus greifen, hängt unter anderem von der kommunalen Wärmeplanung ab, und die Regeln werden politisch weiter diskutiert. Prüfen Sie vor einer Heizungsentscheidung den aktuellen Stand und lassen Sie sich von Heizungsbauer oder Energieberater beraten.
Drei typische Fälle im Vergleich
Die richtige Wahl hängt stark von der Ausgangslage ab. Die folgenden Fälle sind typische Situationen, keine konkreten Projekte. Sie zeigen, wie unterschiedlich die Antwort ausfallen kann.
Fall 1: Gasheizung, die noch einige Jahre laufen soll
Ein Einfamilienhaus hat eine Gas-Brennwertheizung, die erst wenige Jahre alt ist. Ein Heizungstausch steht nicht an. Hier kann eine kleine Solarthermie für Warmwasser den Gasverbrauch im Sommer deutlich senken. Gleichzeitig spricht viel dafür, die übrige Dachfläche mit PV zu belegen, um Haushaltsstrom zu sparen. Wenn das Dach nur für eine Lösung reicht, ist PV meist die bessere Wahl, weil sie auch nach einem späteren Wechsel zur Wärmepumpe ihren Nutzen behält.
Fall 2: Neubau mit Wärmepumpe
Bei einem Neubau mit Luft-Wasser-Wärmepumpe und Fußbodenheizung ist Solarthermie in der Regel überflüssig. Die Wärmepumpe bereitet Warmwasser effizient, und die PV-Anlage liefert im Sommer den Strom dafür. Sinnvoll ist eine möglichst große PV-Anlage, ein Zählerschrank mit Platz für Wärmepumpe, Wallbox und Speicher sowie ein Energiemanagement, das die Verbraucher an die Sonnenstunden anpasst.
Fall 3: Altbau mit alter Ölheizung
Ein älteres Haus wird mit einer Ölheizung beheizt, deren Austausch in den nächsten Jahren ansteht. Eine Solarthermie an die alte Heizung anzuschließen, lohnt sich in diesem Fall kaum, weil sie mit dem Heizungstausch wieder angepasst werden müsste. Besser ist es, zuerst die Heizungsfrage zu klären. Kommt eine Wärmepumpe infrage, passt eine PV-Anlage dazu. Oft ist dann auch die Elektrik im Haus zu prüfen, weil ältere Zählerschränke und Hausverteilungen für die neuen Verbraucher nicht ausgelegt sind.
Lebensdauer und Wartung
Beide Systeme sind langlebig, wenn sie fachgerecht installiert und gelegentlich geprüft werden. Bei Solarthermie sollten Druck, Solarflüssigkeit und Pumpe regelmäßig kontrolliert werden, die Flüssigkeit altert und muss nach einigen Jahren getauscht werden. Bei Photovoltaik sind die Module sehr wartungsarm. Der Wechselrichter hält in der Regel kürzer als die Module und sollte über die Lebensdauer einmal ersetzt werden. Eine regelmäßige Sichtprüfung und elektrische Messung schützt bei beiden Anlagen vor bösen Überraschungen.
Auch der Platz im Haus spielt eine Rolle. Ein Solarspeicher für Warmwasser oder ein Pufferspeicher für die Heizungsunterstützung braucht Stellfläche und Raumhöhe im Heizungskeller. Dazu kommen Rohrleitungen vom Dach zum Speicher, die gedämmt und frostsicher verlegt werden müssen. Eine PV-Anlage braucht dagegen nur eine Wandfläche für den Wechselrichter und, falls gewünscht, Platz für einen Batteriespeicher. Die Kabel vom Dach sind dünner als Solarleitungen und lassen sich oft durch einen vorhandenen Schacht oder ein Leerrohr führen. Gerade in Reihenhäusern und kleineren Altbauten in Wiesloch oder Heidelberg ist dieser Unterschied häufig entscheidend.
Sonne in Nordbaden: gute Voraussetzungen für beide Wege
Die Rheinebene und die angrenzenden Hänge an der Bergstraße und im Kraichgau haben eine gute Einstrahlung. Ob in den Neubaugebieten von Walldorf, in den Siedlungen der Siebziger in Leimen oder auf einem Hof bei Dielheim: Ein Süd-, Ost- oder Westdach ohne starke Verschattung eignet sich für Solarthermie wie für Photovoltaik. Entscheidend ist also weniger die Region als die Frage, wie Sie Energie im Haus nutzen wollen.
Fazit
Solarthermie ist eine bewährte Technik, um mit einer bestehenden Heizung Brennstoff für Warmwasser zu sparen. Photovoltaik ist für die meisten Häuser heute die vielseitigere Investition, besonders mit Wärmepumpe und Elektroauto. Wenn Sie sich für PV entscheiden, planen wir die Anlage, den Zählerschrank und auf Wunsch einen Speicher. Informationen zu unserer Arbeit finden Sie auf der Seite Photovoltaik in Wiesloch. Ob ein Speicher dazu passt, klärt der Ratgeber Lohnt sich ein Stromspeicher?.





